Testfall Avantgarde: Überleben Experimentalfilm-Extreme auf DVD? Zur Austro-Edition "Index".
Eines der größten Werke des Kino dauert keine vier Minuten und zeigt einen Baum in Vermont: 1978 machte der Österreicher Kurt Kren im US-Exil 50 Tage lang Einzelbilder desselben Flecks LAndschaft, spulte (abgelaufenen) Infrarotfilm für jede Aufnahme nach vorgefassten Plan vor und zurück, das Resultat war ein strahlendes Wunder: in rasender Bildfolge ändern sich Bild und Wetter, rasen Wolken und Tiere, schillern Blätterfarben im auf Sekundenbruchteile verdichteten Jahreszeiten-Wechsel. Krens Film '37/38 Tree Again' zeigt nur einen Baun, doch darin die Welt, beim Werden und Vergehen, er fasst ein zentrales Paradox des Kinos: Den endlosen Fluss der Dinge einfangen.
Der Film ist auf DVD, in einer Edition mit dem korrekten Namen 'Index', die-fern von beworben Kult-Klassiker- Österreichs wichtigsten Kino-Beitrag digitalisiert: sein reiches Experimentalfilmschaffen. Von 27 Silberscheiben erhalten drei den Großteil von Krens Werk- Kostbarkeit genug. Allein, wie der Name Index betont: DVD ist nicht gleich Film, verhält sich eher wie das Bild im Austellungskatalog zum Kunstwerk-bei 'normalen' Spiel- und Dokumentarfilmen ist man entsprechende ästhetische Abstriche gewöhnt, aber bei Experimentalfilm kann die Essenz entschedidend ändern.
Schlüsselbeispiel: Die 2003 erschienene Pionier-DVD im Avantgarde-Sektor vom Luxuslabel 'Criterion' zum wichtigen US-Regisseur Stan Brakhage, darauf sein Film 'Mothlight' (1963). Durch auf den Filmkader geklebte Insektenflügel und Blätter fallen in der Kinoprojektion wundersame Lichtmuster - der Motten, nicht des Lichts. Schwacher Trost: einfache Einzelbildschaltung ermöglicht jedem analystischen Zugriff auf den 'Bauplan'. Brakhages abstraktes Spätwerk handgemalter Filme zeigte hingegen eine Veränderung durchs Medium: Am Tv quasi'von Innen' bestrahlt, gamahnt es an Hinterglasmalerei und Kirchenfenster.
MAnche Austro-Avantgarde-Klassiker verlieren auf DVD zwar (erwartungsgemäß) Monumentalität, signifikante Detailwirkungen verschieben sich: Doch starke Ideen überleben, die rasenden psychosexuellen Dekonstruktionen gefundenen Hollywood-Materials bei Peter Tscherkassky und Martin Arnold ebenso wie die Zeitspregende Ekstase von Krens 'Tree again': der Baum, der bleibt. (die genau gebauten Arbeiten der regisseure lohnen dazu das Detailstudium.)
Weniger Verlustfrei überleben das 'Pumping Screen' - Flickern des Verstörungs-Experimente Dietmar Brehms, die Innerlichkeit vin Michael Pilz' wunderbarer 16mm Studie 'Parco della Rimembranze', kaum leidet dafür sein Video 'Was übersetzt ist noch nicht angekommen' , dessen Titel die Sache auf den Punkt bringt. Denn anderes muss nicht übersetzt werden: Peter Weibels TV-Konzept-kunst, Leo Schatzls Installations-Videos. Populärer Geheimtipp der (noch geringen) internationalen 'index'-Erweiterung sind die jährlichen Filme des Deutschen Jan Peters: Wie er sein Dreiminuten-Format immer neu sprengt, ist so konstant komisch, dass er eigentlich ebenso berühmt sein sollte wie Harald Schmidt oder Stromberg.
Eines der größten Werke des Kino dauert keine vier Minuten und zeigt einen Baum in Vermont: 1978 machte der Österreicher Kurt Kren im US-Exil 50 Tage lang Einzelbilder desselben Flecks LAndschaft, spulte (abgelaufenen) Infrarotfilm für jede Aufnahme nach vorgefassten Plan vor und zurück, das Resultat war ein strahlendes Wunder: in rasender Bildfolge ändern sich Bild und Wetter, rasen Wolken und Tiere, schillern Blätterfarben im auf Sekundenbruchteile verdichteten Jahreszeiten-Wechsel. Krens Film '37/38 Tree Again' zeigt nur einen Baun, doch darin die Welt, beim Werden und Vergehen, er fasst ein zentrales Paradox des Kinos: Den endlosen Fluss der Dinge einfangen.
Der Film ist auf DVD, in einer Edition mit dem korrekten Namen 'Index', die-fern von beworben Kult-Klassiker- Österreichs wichtigsten Kino-Beitrag digitalisiert: sein reiches Experimentalfilmschaffen. Von 27 Silberscheiben erhalten drei den Großteil von Krens Werk- Kostbarkeit genug. Allein, wie der Name Index betont: DVD ist nicht gleich Film, verhält sich eher wie das Bild im Austellungskatalog zum Kunstwerk-bei 'normalen' Spiel- und Dokumentarfilmen ist man entsprechende ästhetische Abstriche gewöhnt, aber bei Experimentalfilm kann die Essenz entschedidend ändern.
Schlüsselbeispiel: Die 2003 erschienene Pionier-DVD im Avantgarde-Sektor vom Luxuslabel 'Criterion' zum wichtigen US-Regisseur Stan Brakhage, darauf sein Film 'Mothlight' (1963). Durch auf den Filmkader geklebte Insektenflügel und Blätter fallen in der Kinoprojektion wundersame Lichtmuster - der Motten, nicht des Lichts. Schwacher Trost: einfache Einzelbildschaltung ermöglicht jedem analystischen Zugriff auf den 'Bauplan'. Brakhages abstraktes Spätwerk handgemalter Filme zeigte hingegen eine Veränderung durchs Medium: Am Tv quasi'von Innen' bestrahlt, gamahnt es an Hinterglasmalerei und Kirchenfenster.
MAnche Austro-Avantgarde-Klassiker verlieren auf DVD zwar (erwartungsgemäß) Monumentalität, signifikante Detailwirkungen verschieben sich: Doch starke Ideen überleben, die rasenden psychosexuellen Dekonstruktionen gefundenen Hollywood-Materials bei Peter Tscherkassky und Martin Arnold ebenso wie die Zeitspregende Ekstase von Krens 'Tree again': der Baum, der bleibt. (die genau gebauten Arbeiten der regisseure lohnen dazu das Detailstudium.)
Weniger Verlustfrei überleben das 'Pumping Screen' - Flickern des Verstörungs-Experimente Dietmar Brehms, die Innerlichkeit vin Michael Pilz' wunderbarer 16mm Studie 'Parco della Rimembranze', kaum leidet dafür sein Video 'Was übersetzt ist noch nicht angekommen' , dessen Titel die Sache auf den Punkt bringt. Denn anderes muss nicht übersetzt werden: Peter Weibels TV-Konzept-kunst, Leo Schatzls Installations-Videos. Populärer Geheimtipp der (noch geringen) internationalen 'index'-Erweiterung sind die jährlichen Filme des Deutschen Jan Peters: Wie er sein Dreiminuten-Format immer neu sprengt, ist so konstant komisch, dass er eigentlich ebenso berühmt sein sollte wie Harald Schmidt oder Stromberg.