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VIDEOGESCHICHTE KOMPAKT
von Irmgard Schmidmaier in MediaBiz nr.108 , nov. 2004
 
sixpackfilm rührt seit Jahren engagiert und erfolgreich die Werbetrommel für den künstlerischen österreichischen Film. Gemeinsam mit der Medienwerkstatt Wien entsteht nun als neues Projekt eine DVD-Edition. Irmgard Schmidmaier freut sich auf die

Filmgeschichte kompakt

Die üblichen Verdächtigen: Kren, Export, Deutsch. Dann aber auch: Ponger, Ressler, Ruhm. Dokumentation, Experiment, Kurzes, Avantgarde und was es sonst noch so gibt an künstlerischem Filmschaffen in Österreich sind nun unter einem Label versammelt. INDEX heißt das Projekt, das die Medienwerkstatt Wien gemeinsam mit sixpackfilm ersonnen und realisiert hat. 15 DVDs umfasst die Edition zunächst (s. Kasten), sie stellt die zentralen Protagonisten mit einer Werkauswahl vor und ergänzt die Bilder in einer beigefügten Broschüre um Biografisches und Weiterführendes zu Person und Werk. Interviews, Gespräche, Analytisches zu den aufgenommenen Arbeiten, Werklisten und Zitate stellen die Künstler ausführlich vor.

Die Idee ist älter als die Technik DVD - schon Ende der 90er Jahre planten die beiden Organisationen ein Videolabel zum österreichischen Film. Das scheiterte zwar an den Kosten, doch die Idee der Medienwerkstatt blieb. Die Möglichkeit der Digitalisierung belebte die alten Pläne wieder, und gemeinsam mit sixpack machte man sich dann vor zwei Jahren erneut auf die Suche nach Geldgebern: 170 000 Euro waren veranschlagt, um das Projekt mit einer ersten Ausgabe von 15 Titeln anzustoßen. Wirtschaftsförderungsfonds (zit), Bundeskanzleramt, Filmfonds Wien, die NÖ Landesregierung, Erste Bank und der Fachverband d. Audiovisionsindustrie sprangen bei, als Partner wurden Filmarchiv Austria und die Angewandte gewonnen.

Die Auswahl haben Birgitta Burger-Utzer und Dietmar Schwärzler für sixpackfilm sowie Gerda Lampalzer und Eva Brunner-Szabo für die Medienwerkstatt übernommen. Kriterien waren und sind - schließlich soll das Projekt noch ausgebaut werden - die Bedeutung der Filmschaffenden für die Entwicklung des heimischen Films, experimentell-künstlerische Ausrichtung und die Verankerung in der Independent-Szene. Einen Kanon heimischen Filmschaffens zu erstellen, liegt den Herausgebern fern: "Es kann nur eine Auswahl sein, die aus dem Arbeitsfeld der beiden Vereine kommt".

Man entschied sich gemäß der ureigensten Aufgabe und Geschichte von sixpack auf den künstlerischen Film und bringt eine pointierte, repräsentative Auswahl. Eine umfassende österreichische Filmgeschichte wird "Index" auch mit den geplanten Folge-Veröffentlichungen nicht. Internationale Vertreter sozusagen als Gäste mit in die Edition aufzunehmen, öffnet den Blickwinkel, schafft Vergleichsmöglichkeiten und stellt die heimische Produktion in einen größeren Zusammenhang.

Diffizile Kleinarbeit beschäftigte die Techniker über Monate: Das Ausgangsmaterial, oft Film oder Video, musste erst digitalisiert werden. Medienwerkstatt und vidok kämpften mit Drop-Outs, verschiedenen Formaten und Aggregatszuständen des Materials, kleineren Fehlern, die erst nach der Digitalisierung sichtbar wurden. Doch da sollte es keine Kompromisse geben: "Der Qualitätsanspruch ist unumstößlich", so Burger-Utzer. "Wir wollen es ordentlich machen oder gar nicht".

Die Herausgeber setzen mit ihrem Projekt auf die Beobachtung, dass das Interesse am österreichischen Film auch und gerade in seiner künstlerischen Ausprägung in den vergangenen Jahren gewachsen ist. "Wir wollten ein Defizit ausgleichen", beschreibt Burger-Utzer, denn viele der wichtigen Produktionen waren bisher schlichtweg nirgendwo erhältlich. Nun hofft man auf Interesse bei Bibliotheken und Bildungsinstitutionen im In- und Ausland, aber auch auf Nachfrage durch Privatpersonen. Die prägnante Auswahl und die sachliche, dabei informative Gestaltung spricht dafür.
 
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